Psychotherapie - Paartherapie - und Coaching - Praxis Dr. G. Majtenyi Düsseldorf

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Dr. med. Gábor Majtényi

Facharzt für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin 

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40479 Düsseldorf      Inselstraße 13

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Psychoanalytisch verstehen - systemisch denken - lösungsorientiert therapieren

Theorie

 

Dieser kleine theoretische "Ausflug" ist nicht mit dem Anspruch der Vollständigkeit entworfen worden. Lesen Sie diese Seite nur, wenn Sie sich ein Bild darüber machen möchten, welches theoretische Blitzlichtgewirr hinter der strukturierten und allgemeinverständlichen praktischen Arbeit eines erfahrenen Psychotherapeuten herrscht...

In der alltäglichen psychotherapeutischen und beratenden Tätigkeit eines pragmatisch eingestellten, lösungsorientierten Therapeuten/Beraters spielt das seiner Wahrnehmung, Auswertung und Interventionstechnik zugrunde liegende wissenschaftliche Theoriegerüst eine sehr dynamische und keineswegs dogmatische Rolle. Die Legierung oder Kombination von Theorien aus möglicherweise verschiedenen therapeutischen Schulen, aus anderen natur- oder geisteswissenschaftlichen Theoremen entlehnte Verständnisprozesse, Analogien, Bilder und Deutungen sind wesentliche Elemente der praktischen psychotherapeutischen Arbeit. 

Diese fließende mehrdimensionale Theorie-Welt erfordert höchste Disziplin, Vorsicht und Erfahrung, um die daraus resultierenden Deutungen/Interventionen legitimieren und den therapeutischen Entwicklungsprozess der Klienten/Patienten/Klientensysteme professionell führen zu können. Was letztendlich zählt, ist ausschließlich der dauerhafte Erfolg einer Therapie/Beratung. 

Diese - dem pragmatischen Prinzip der Symptomfreiheit sowie der persönlichen und sozialen Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung der Klienten streng untergeordnete - geistige Freiheit des Therapeuten führt im Laufe der Jahre zur Entwicklung eines integrativen, persönlichen therapeutischen "Stils", dessen theoretischer Fundus aus verschiedenen, oft komplexen "Schichten" besteht.

Wenn ich heute diese Theorie-Schichten  aus der fließenden Integration der alltäglichen therapeutischen Arbeit zu isolieren und zu abstrahieren versuche, entdecke ich in der tiefsten Schicht den psychoanalytischen Verständnisprozess. Wie und wann waren die Verhaltensweisen, Einstellungen, Selbstbilder und Kommunikationsstile eines Menschen, die heute zum persönlichen, sozialen oder möglicherweise beruflichen Misserfolg, zur Selbstentwertung und psychosomatischen Symptombildung führen, früher einmal sinnvoll? 

Jedes Kind ist nämlich genial und leistet den größtmöglichen psychischen Anpassungsprozess, um in dem jeweiligen - ihm vorgegebenen und durch ihn unveränderbaren - Familiensystem zu bestehen und bestmöglichst zu überleben. In der "zwanghaften" Wiederholung dieser einst sinnvollen aber unzeitgemäß gewordenen früheren emotionalen Abläufe und Verhaltenssequenzen zeigen sich iterative und eskalative Gesetzmäßigkeiten, die Freud "Wiederholungszwang" nannte, deren letztendliche Aufklärung allerdings vermutlich auf die Chaostheorie wartet, die für derartige und überall präsente "selbstreferenzielle" Vorgänge in der Natur mittlerweile ein komplettes mathematisches Rüstzeug entwickelt hat. 

Dieses Wissen über den früheren "genialen" kindlichen Sinn heute nicht mehr angemessener emotionaler- und Verhaltenskontexte und über eine gewisse "iterative Naturgesetzlichkeit des Wiederholungszwanges" hilft in der therapeutischen Kooperation mit den Klienten oft weiter, um Selbstentwertungen der Patienten und gefährliche unbewusste Entwertungen durch den Therapeuten a priori zu vermeiden und den Interventionsstil dementsprechend aufwertend und lösungsorientiert zu gestalten.

Außer den iterativen Vorgängen im "Wiederholungszwang" - das Wiederholen früherer "Programme" als Lösungsversuch - steht ein eigenartiges psychologisches Wiederstandsphänomen im Wege konstruktiver Veränderungen im Verhalten und in den dahinterstehenden emotionalen Strukturen. Dieser "Veränderungswiederstand" kann einerseits mit dem Freudschen Wiederstandsbegriff dynamischer Barrieren zwischen bewussten und unbewussten psychischen Strukturen beschrieben werden, andererseits bietet die biologische Selbstorganisationslehre von Varela und Maturana mit dem Begriff der Autopoiese hierfür das entsprechende theoretische Werkzeug. Jedes komplexe (biologische) System besitzt eine eigenartige Kraft, sich in seiner inneren und äußeren Beschaffenheit und Funktionalität, in seinem "Sosein wie es ist" zu bewahren und wiederherzustellen. Veränderungen und Entwicklungen sind demnach in jedem komplexen System lediglich an dieser Eigendynamik "entlang" möglich, wenn die, dem System von außen zugeführten Impulse "anschlussfähig" sind. Diese autopoietische Selbstbewahrung ist ziemlich unabhängig davon, ob das System überlebensfähig und in seiner Funktionalität konstruktiv oder "sinnvoll" ist, auch suboptimale und unangepasste Systeme entwickeln sich autopoietisch. 

Der Mensch - systemtheoretisch gesehen ein hochkomplexes bio-psycho-soziales System -  seine noch komplexeren Paarbeziehungen, Familien, Gesellschaften, politische Systeme, ja vielleicht das ganze physiko-bio-psycho-sozio- Ökosystem Erde scheinen dieser autopoietischen selbstorganisierenden Eigendynamik zu gehorchen und  "Veränderungswiederstand" allen Impulsen gegenüber zu zeigen, die von dieser Systemdynamik her als "unangemessen" betrachtet werden. (Luhmann, Fürstenau) So müssen auch psychotherapeutische Interventionen innerhalb der zu verändernden autopoietischen psychologischen Eigendynamik "stimmig" sein, der Therapeut muss quasi in dem Zug sitzen, dessen Richtung er verändern möchte. Ketzerisch könnte gefragt werden, ob viele Phänomene, die psychoanalytisch als "Wiederstand" oder gar als "Therapieresistenz" betrachtet werden, lediglich auf eine, der autopoietischen Eigenart der Klienten nicht angepasste Interventionstechnik der Therapeuten zurückzuführen sind. Die zukünftige systemtheoretische, selbstorganisationstheoretische und psychoanalytische Forschung wird uns hoffentlich helfen, diese Zusammenhänge besser zu verstehen.

So ist die erste Phase der therapeutischen Arbeit mit einem Klienten oder Klientensystem diesen, mehr oder weniger psychoanalytischen und selbstorganisationstheoretischen Überlegungen gewidmet, emotionale Kontexte der Kindheit, unbewusste Wiederstände im psychoanalytischem Sinne und Veränderungswiederstände im "autopoietischen" Sinne werden erkannt, als natürliche und gesunde frühere Anpassungsprozesse interpretiert, diesbezügliche Selbstentwertungen der Klienten werden aufgehoben und die Problematik als unangemessener Einsatz früherer genialer Kompetenzen und "Programme" in aktuellen - lediglich durch neue Kompetenzen lösbaren - Situationen verstanden. Dieses Verständnis führt ohne Kränkung, Selbstentwertung und Machtkämpfe zwischen Klienten und Therapeuten zur gemeinsamen Einsicht, neue emotionale Muster, Verhaltensweisen und Kompetenzen für die Klienten zu entwickeln, um durch angemessenere neue Lösungen Symptome und Leidensdruck loszuwerden, mehr Lebensqualität zu erleben und auf ein höheres Niveau der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu gelangen.

Klassische psychoanalytische Deutungsarbeit ist - systemtheoretisch gesehen - die Steigerung der Fähigkeit eines lebendigen Systems, das über Selbst- Bewusstsein verfügt, über die eigene Existenz und Funktionszusammenhänge bis jetzt unbekannte, "unbewusste" Informationen wahrzunehmen, sich in diesem Sinne zu beobachten und somit ein neues "Metasystem" (bisheriger Zustand + neue Aspekte der Selbstbeobachtung) zu entwickeln, dessen zukünftige (ebenfalls autopoietische) Entwicklungschancen anders sind, als dies beim früheren System der Fall gewesen wäre. Aber ist diese neue - im Sinne chaostheoretischer Erkenntnisse längerfristig und kontinuierlich neu "iteriert" vom "Original" völlig abweichende - Entwicklungslinie wirklich vorteilhafter, angemessener für das System? Klassische psychoanalytische Deutungsarbeit (oder frühere Ansätze der Unternehmensberatung ohne Change-Management) lassen die Klienten oder Klientensysteme mit dieser Frage "richtiger Lösungen" mehr oder weniger alleine. In meinem Beratungs- und Therapieverständnis erfolgen daher weitere Therapie-/Beratungsschritte, die dem Prinzip der Lösungsorientierung und der Prozessbegleitung gerecht werden.  

Die zweite Phase der Therapie/Beratung dient daher dem Erfassen des aktuellen systemischen Kontextes der Problematik. Zu welchem - unbefriedigenden - aktuellen Ergebnis führt der Einsatz früherer und heute unangemessener Lösungen und emotionaler Muster im aktuellen Funktions- und Lebenszusammenhang der Klienten? Wer und auf welcher Weise spielt "alte" und nicht mehr sinnvolle Rollen im Klientensystem, auf welcher suggestiven Weise werden diese Rollen delegiert, mit welcher Dynamik und welchem versteckten Nutzen entstehen Symptome und Leidensdruck, die dann einen zunächst immanenten Bestandteil der Systemfunktion bilden und lediglich durch Weiterentwicklung der Klienten und des Klientensystems wieder eliminiert werden können? Im theoretischen Hintergrund wird diese Phase durch systemtheoretische sowie paar- und familiendynamische Überlegungen geprägt. 

In der dritten Phase der therapeutischen- und Beratungsarbeit geht es im gemeinsamen Lernprozess um Lösungs- und Veränderungs-(change-)management. Grundsätzlich gilt: auf alte Muster und Programme kann man nur verzichten, wenn sich zumindest die Grundrisse und Modelle erfolgreicher neuer Lösungen, Handlungsmodalitäten und Verhaltensweisen zeigen, diese für die Klienten durch vorsichtige aber dann eskalierende "Probehandlungen" auch erlebbar werden und iterativ auch wiederholt werden können. 

In dieser sehr kreativen Phase einer Therapie/Beratung spielen im theoretischen Hintergrund verhaltenstherapeutische, entscheidungstheoretische sowie spiel- und handlungstheoretische Überlegungen eine wichtige Rolle. Die Aufgabe des Therapeuten ist es, durch die nondirektive Suggestivität seiner Interventionen in angemessener Weise Kreativität, persönliche Ressourcen und Selbstwertgefühl der Klienten (des Klientensystems) zu fördern, "maßgeschneiderte" und die Individualität der  Klienten konsequent berücksichtigende "autopoietisch stimmige" Verhaltenssequenzen, neue emotionale Kontexte und Lösungen aufzuspüren und diese zu verankern. 

Interessanterweise bezieht sich der chaostheoretische Grundsatz der kleinen Ursache mit großer Wirkung - eine gewisse Instabilität des Systems vorausgesetzt - auch auf die richtige Interventionstechnik in der therapeutischen- und Beratungsarbeit. Nur ein instabil gewordenes emotionales System ("Krisen sind Chancen") kann aus seiner autopoietischen Selbstreferenzialität und den damit verbundenen nicht mehr optimalen Wiederholungen alter Lösungen durch geeignete kleine aber zeitlich und inhaltlich präzise, "elegante" Interventionen "gehoben" und in eine neue, dann ebenfalls autopoietische Entwicklungsrichtung  - mit großen späteren psychologischen Auswirkungen - angeregt werden. Eine richtige Intervention - die erwünschte neue Entwicklungen effizient anregt - muss also autopoietisch stimmig (aus den emotionalen Systemzusammenhängen der Klienten ableitbar) sein, spiel- verhaltens- und handlungstheoretisch optimale Lösungen anregen und insbesondere im "Timing" angemessen, in einem instabilen "Aggregatzustand" der emotionalen Welt der Klienten, in einem "Zeitfenster der Veränderbarkeit" appliziert werden. 

Jede psychoanalytische Deutung, jeder verhaltenstherapeutischer Beobachtungs- oder Veränderungsvorschlag, jede suggestive, lösungsorientierte Intervention oder hypnosystemische Beeinflussung muss die bisherige Entwicklung der Klienten oder des Klientensystems als unter den jeweiligen geschichtlichen Entwicklungsbedingungen optimal würdigen und damit aufwerten, um dem Klientensystem durch narzisstische Entwertung keine iatrogenen (therapiebedingten) Schaden zuzufügen.

Das Ergebnis dieses komplexen Entwicklungsprozesses muss für alle Beteiligte plastisch und sichtbar werden. Die entscheidenden Parameter sind Symptomfreiheit, abnehmender Leidensdruck und Zunahme der emotionalen - und somit allgemeinen -  Lebensqualität der Klienten und/oder des Klientensystems.    

 

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